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OM, OMG & Ich – Koffer gepackt, Identität verloren – und jetzt?

7 ehrliche Fragen, die dir helfen, dich selbst besser kennenzulernen (und endlich loszugehen)

Die Tränen laufen mir über die heißen Wangen. Ich stehe im Wohnzimmer, atme tief ein – ein letztes Mal.

Es riecht nach Vanille-Duftkerzen. Es riecht nach dem Versuch, etwas heimeliger zu machen, als es je war. In der rechten Hand halte ich den Schlüssel, den ich gleich auf dem Esstisch ablegen werde. In der linken meinen Rollkoffer.

Mein Herz schlägt laut. Zu laut für diesen stillen Moment. Und in meinem Kopf überschlagen sich Gedanken auf einmal wie Zirkusakrobaten auf Speed.

Ich bin offiziell raus.


Aber ich bin raus – raus aus diesem Leben, das von außen wirklich hübsch aussah. 5-Zimmer-Altbau, schick renoviert, Echtholzboden und Ehebett inklusive. Und trotzdem war’s, als würde ich jeden Tag in eine Skinny Jeans steigen, zwei Nummern zu klein. Inklusive Bauch-Weg-Unterhose und Luftnot…

„Es war ja nicht alles schlecht“, höre ich meine innere Stimme sagen. Stimmt. Aber es war auch nichts davon richtig.
 
Meine Ehe war okay. Bis sie es eben nicht mehr war.
Und das ist in etwa die romantischste Zusammenfassung, die ich anbieten kann, ohne vorher eine Flasche Wein köpfen zu müssen. Dabei trinke ich noch nicht einmal Alkohol…
 
Eines steht für mich in diesem Moment fest – das bin ich nicht mehr. Denn alles, was ich war, war jemandes Ehefrau. Kollegin. Tochter. Funktionierende Version einer Vorstellung. Nicht meiner Vorstellung.

Das war der Moment, in dem meine Reise begann. Meine Reise zu mir selbst. Nicht auf einem Bali-Retreat oder einem schamanischen Ritual (okay, später vielleicht auch das) – sondern mit einem einzigen ehrlichen Gedanken:

Wer bin ich eigentlich, wenn ich niemandem etwas vorspielen muss?

Antworten hatte ich keine.
Nur einen Koffer, feuchte Augen und ein brennendes „Was zur Hölle jetzt?“ im Herzen.
 
Wenn ich heute auf diesen Moment zurückblicke – auf das Schlucken, das Zögern, das Zittern -dann weiß ich:
 
Da hat alles begonnen.

Nicht das Drama. Das Erwachen.

Nicht das Chaos – sondern mein erster, wackeliger Schritt in Richtung Ich.

Damals wusste ich noch nicht, wohin ich will.

Ich wusste nur, was ich nicht mehr bin.

Und manchmal ist das schon genug, um loszugehen.

Ohne Plan. Aber mit Mut.

Heute weiß ich:

Ohne Filter. Ohne Rücksicht auf Erwartungen. Ohne irgendetwas zu beschönigen.

Wenn du gerade auch an einem Punkt in deinem Leben stehst, an dem sich das, was du deinen Alltag, dein Zuhause, deinen Beruf oder deinen Partner nennst, nicht mehr fühlst – wenn du dich fühlst wie ein Avatar in einem Computerspiel, welches du gar nicht spielen wolltest, dann können diese sieben Fragen dir zu mehr Klarheit verhelfen und ein Startpunkt sein für deine eigene Reise zu dir selbst.

7 ehrliche Fragen, die dir helfen, dich selbst besser kennenzulernen

1. Wann fühle ich mich wirklich lebendig?

Klingt romantisch, ist aber ein Gamechanger.

Denn: Die Frage zielt nicht auf dein Bankkonto, sondern auf dein Nervensystem.

Wann lebst du nicht im Autopiloten, hängst du gedanklich nicht in der To-do-Liste oder bist du nicht in der „Ich müsste eigentlich noch…“-Spirale?

Psychologisch gesehen fragst du hier nach Momenten von Selbstkongruenz – also: Bin ich in dem Moment wirklich bei mir? Oder spiele ich nur mit?

2. Was denke ich, was andere von mir erwarten – und was erwarte ich selbst von mir?

Hui, Schattenarbeit, Baby!

Diese Frage legt den Finger auf dein inneres People-Pleaser-Puzzle.

Denn was andere (angeblich) von dir erwarten, ist oft nur eine gut trainierte Fantasie, die du irgendwann mal übernommen hast – von Mama, Papa, Insta oder Frau Obermeier, deiner Klassenlehrerin auf der katholischen Grundschule.

Die spannende Stelle ist hier übrigens nicht, was andere von dir erwarten – sondern was du denkst, was sie erwarten.

Psychologisch sprechen wir hier vom introjektierten Über-Ich – also Regeln und Erwartungen, die du irgendwann mal ungefiltert übernommen hast.

Frag dich hier auch direkt gerne einmal, wieso du denkst, dass diese Menschen diese Erwartungen haben könnten und wieso du bestimmte Erwartungen an dich selbst hast.

3. Wann bin ich am meisten ich selbst – und wo verstelle ich mich am meisten?

Autsch. Aber wichtig.

Denn die meisten von uns haben gelernt: Anpassen = Überleben.

Aber, was die wenigsten von uns gelernt haben: Anpassung ist nicht dasselbe wie Verbindung.

Diese Frage deckt auf, wo du dich selbst verlierst, um von anderen Menschen gemocht zu werden.

Es ist nichts falsch daran gemocht werden zu wollen – aber auf Dauer ist das ganz schön teuer.

Denn du bezahlst mit Lebendigkeit. Und manchmal auch mit Rückenschmerzen.

Hier kommt das Thema Authentizität vs. soziale Maske ins Spiel.

Wenn du dich in bestimmten Kontexten klein machst, ist das oft ein inneres „Ich darf hier nicht ganz ich sein“. Glaubenssätze, wie dieser, wirken im Unterbewusstsein. Die gute Nachricht ist: Sobald du sie identifiziert hast, kannst du sie umwandeln.

4. Was in meinem Leben darf sich leichter anfühlen?

Die Antwort auf diese Frage ist wie Wundcreme für dein Herz.

Denn: Du darfst loslassen, was zu schwer ist – auch, wenn du glaubst, du müsstest das noch tragen.

Aus psychologischer Sicht schaltest du hier von Kompensation auf Selbstfürsorge. Den viele Dinge, seien sie noch so bedrückend uns destruktiv, tragen wir oft aus einem falsch verstandenen Pflichtgefühl mit uns herum. Manchmal sogar ein Leben lang…

Erlaub dir Leichtigkeit. Nicht weil du faul bist oder so. Sondern weil geboren wurdest, um das Leben in all seinen Facetten zu erfahren und nicht um Karma-Rucksäcke zu schleppen, die dir in der Regel nicht einmal selbst gehören.

5. Was oder wen halte ich fest, obwohl ich längst spüre: Es ist vorbei?

Oh boy, diese Frage hat schon mehr emotionale Hausräumungen ausgelöst als jeder Frühjahrsputz.

Du weißt es. Dein Bauch weiß es. Sogar dein Spotify-Jahresrückblick hat es dir gesagt.

Aber dein inneres Kind ruft: Vielleicht wird’s ja doch noch schön.

Hier wirken Bindungs- und Verlustmuster, die aus der im großen Kindheits-Bingo gewonnen hast:

Ich halte fest, weil ich gelernt habe, dass Verlassenwerden schlimmer ist als innerlich Sterben.

Na Herzlichen Glückwunsch – der Trostpreis wäre definitiv die bessere Wahl gewesen.

Mach dir bewusst, dass Loslassen nicht das Ende ist – sondern die mutigste Art, dir selbst treu zu sein. Und meistens der Beginn von etwas viel Besserem!

6. Wie würde ich leben, wenn ich keine Angst hätte, falsch zu sein?

Diese Frage ist Gold.

Denn sie zeigt dir, wie viel deiner Entscheidungskraft gerade in einem Selbstbild-Gefängnis steckt.

Viele von uns haben verinnerlicht: „Ich darf nur sichtbar sein, wenn ich alles richtig mache.“

Das ist nicht Freiheit. Das ist Performance.

Was würdest du tun, wenn du niemandem mehr gefallen müsstest?

Hier begegnen wir dem Konzept von konditionierter Selbstzensur – du bewertest dich, bevor es andere tun.

Doch du bist kein Testobjekt, bei dem entschieden werden muss, ob es auf den Markt kommt. Entschuldigung, du bist ein verdammtes Wunder!!!

7. Bin ich bereit, mich wirklich zu sehen – mit allem, was da ist?

That’s the real deal.

Denn Selbstfindung bedeutet nicht: „Ich finde meine Träume und manifestiere mit Mondwasser meine Bestimmung.“

Sondern auch: „Ich schaue mir an, was ich verdrängt habe, um zu werden, was ich bin.“

Es geht nicht um Perfektion. Es geht um Präsenz.

Um die Fähigkeit, bei dir zu bleiben, sogar dann, wenn’s unangenehm wird.

Und um die radikale Erlaubnis, mit allem da zu sein, was du bist.

Wieso diese Frage die relevanteste ist? Sie erfordert den Mut ehrlich zu dir selbst zu sein und eine radikale Entscheidung, dich für dich selbst zu entscheiden. Denn sie bedeutet, dass du hinsehen wirst, wo du vorher lieber weggesehen hast. Dass du akzeptieren wirst, das du verurteilt hast. Und dass du lieben wirst, wovor du Angst hast.

Bist du bereit?

Fazit:

Diese sieben Fragen sind kein Schönwetter-Selbsthilfe-Bingo.

Sie sind kompromisslos ehrlich – aber genau das macht sie so kraftvoll.

Sie bringen dich nicht sofort zur erleuchteten Version deiner selbst – aber sie bringen dich näher an dein echtes Ich. Und vor allem helfen sie dir die Entscheidung zu treffen, ob du losgehen möchtest. Für dich losgehen möchtest.

Und das ist der Anfang von allem.

Keep it weird. Keep it wise. Keep it wunderbar.

Zwischen OM und OMG –
Deine Saendy

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