Willkommen im Kaninchenbau: Selbstfindung beginnt im Unterbewusstsein

Unterbewusstsein verstehen: Wie es 95 % deines Lebens bestimmt – und wie du es verändern kannst

Na gut, manchmal wirken Pausen Wunder.

Ich klappe den Laptop zu, der mich seit zwei Stunden mit einem leerem Google-Dokument anstarrt, wie ein gelangweilter Barkeeper um vier Uhr früh, der weiß, dass du weder trinkfest noch originell bist.

Ich greife zu dem Buch, das ich letztes Wochenende für zwei Euro auf dem Flohmarkt gerettet habe – zwischen einer verbeulten Mikrowelle und einer DVD-Kollektion „Derrick – die frühen Jahre“.

Die Seiten wirken wie der Keller eines Familienhauses in Bottrop: ein bisschen vergilbt, ein bisschen nach Kindheit & Nostalgie riechend, irgendwo inmitten einer Staubschicht, die sich langsam in eine Art Mondlandschaft verwandelt.

Mein Glitzer-Einhorn-Lesezeichen – danke, innere 14-Jährige – trennt Seite 82 von Seite 83. Und da steht er:

Ich lese den Satz zweimal. Dann dreimal.


Und plötzlich höre ich in meinem Kopf die Stimme einer fiktiven Figur, die mehr über Identitätskrisen weiß als mein letzter Therapeut mit halber Kassenzulassung:

Es macht klick.
Ein Klick wie bei einer dieser alten Einwegkameras, mit denen man Kindheitsurlaube dokumentierte – schief, unscharf, aber irgendwie genau richtig.
 
An dieser Stelle bin ich mir übrigens überhaupt nicht sicher, ob ich gerade eine brillante Erkenntnis habe – oder einfach einen leicht spirituell aufgeladenen Koffein-Rausch.
Jedenfalls fühle ich mich ein bisschen wie der verrückte Hutmacher nach einer drei tägigen Ayahuasca-Sitzung.

Denn bevor ich dieses Buch aufgeschlagen habe, war ich damit beschäftigt, mir den Kopf zu zerbrechen, wie ich dir heute das Thema Unterbewusstsein erklären soll.
Etwas, das so mysteriös wie dein Ex ist – nur mit deutlich mehr Einfluss und Macht. Und auch sonst irgendwie deutlich – nein, sehr deutlich- komplexer.
 
Und dann – natürlich rein „zufällig“ – greife ich zu einem Buch, das mir scheinbar mein eigenes Unterbewusstsein vor die Füße schmeißt wie ein leicht beleidigter Zen-Meister mit etwas zu viel Humor:
 
Na endlich, sagt es. Ich dachte schon, du kommst nie.

Willkommen im Wunderland.

Oder wie ich es nenne: deiner inneren Welt – oder ganz einfach deinem Unterbewusstsein.

Was genau ist dieses Unterbewusstsein eigentlich?

Stell dir dein Gehirn vor wie einen schicken Berliner Altbau mit unzähligen Hinterzimmern. Das (Tages-)Bewusstsein ist das Vorzeige-Wohnzimmer: viel Licht, Instagram-tauglich aufgeräumt, ein paar nette Gedanken stehen auf dem Coffee Table und sagen: „Hallo, hier bin ich – schau mal, wie reflektiert ich bin.“

Das Unterbewusstsein? Das ist der verwinkelte Keller darunter. Der mit der quietschenden Tür, den vergessenen Kisten, den alten Tagebüchern und der Duftmischung aus Mottenkugeln und verdrängten Emotionen. Dort liegt, was du längst vergessen hast – aber was trotzdem dich und dein Leben steuert.

Das Unterbewusstsein – Kapitän auf Autopilot

Neuropsychologisch gesprochen steuert dein Unterbewusstsein rund 95 % deiner Gedanken, Gefühle und Handlungen.

Ja, du hast richtig gelesen.

Während du denkst, du entscheidest bewusst, was du willst – entscheidet dein innerer General längst, was du brauchst, vermeidest oder wiederholst.

Das Unterbewusstsein ist wie ein sehr effizienter Praktikant: es merkt sich alles, sortiert es ein – und handelt danach. Nur blöd, wenn der Praktikant sich seit der zweiten Klasse nie wieder weitergebildet hat und denkt, „Gesehen werden ist gefährlich“, weil dich Frau Petzold damals für dein Referat ausgelacht hat.

Was bedeutet das?

Dein Unterbewusstsein beeinflusst nämlich:

  • welche Menschen du wählst
  • welchen Job du annimmst
  • wie du über dich selbst denkst
  • ob du abends Netflix oder dein Journal öffnest

Und das, ohne dich zu fragen. Wie unhöflich Mister…

Um verstehen zu können, wieso das so ist, sollten wir uns an dieser Stelle seine Aufgaben mal genauer anschauen:

  • Überleben sichern (Fight, Flight, Freeze, Fawn – er kennt sie alle.)
  • Gelerntes automatisieren (Zähneputzen, Autofahren, toxische Muster? Check!)
  • Emotionen regulieren (Oder auch unterdrücken, wenn du es ihm beigebracht hast.)
  • Identität formen (Nicht dein Look, sondern dein Selbstbild. Also ob du dich für liebenswert hältst oder eher als People-Pleaser mit chronischem Helfersyndrom durchs Leben irrst.)

Um nur mal die relevantesten zu nennen.

Warum die Arbeit mit dem Unterbewusstsein der Schlüssel ist

Selbstfindung bedeutet eben nicht, sich bloß ein hübsches Vision Board zu basteln, einmal bei einer Kakao-Zeremonie mitzumachen und dann zu glauben, man sei nun „bei sich“.

Selbstfindung heißt:

Sich anschauen, was man jahrzehntelang unter den Teppich des Bewusstseins gekehrt hat.

(Vielleicht auch, wo der Rohrbruch eigentlich herkommt…)

Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein bringt dich:

  • raus aus Wiederholungsmustern (hello again, emotional unavailable situationships)
  • rein in echte Selbstwirksamkeit
  • und ermöglicht, alte Überzeugungen loszulassen, die nie deine war

Oder um es in einem Satz zu sagen:

Du kannst dich nicht finden, wenn du nicht weißt, wer da im Dunkeln sitzt, die Fernbedienung in der Hand hält und bestimmt welchen Film du leben sollst.

Wie du mit dem Unterbewusstsein arbeiten kannsten

Die wirklich gute Nachricht ist: Du brauchst kein Wunder, um deine Situation zu ändern, Aber ein bisschen Demut und ein paar Tools:

  • Hypnose & Trancearbeit: Sanfte Türöffner zum Keller deiner inneren Welt.
  • EFT & Körperarbeit: Der Körper erinnert sich – und will entladen.
  • Innere-Kind-Arbeit: Die kleine Version von dir weiß, wo der Schmerz wohnt.
  • Journaling & Imagination: Schreiben und visualisieren können Brücken bauen.
  • Wiederholung & Emotion: Das Unterbewusstsein liebt Gefühle und Rituale. Je öfter du ein neues Bild mit echter Emotion verbindest, desto eher wird es zu deinem neuen Film.

Und ja, das alles braucht Mut.

Aber ich verspreche dir:

Nur ein kleiner, verletzlicher Anteil von dir, der endlich gesehen, gehört und befreit werden will.

Fazit: Auf der anderen Seite des Kaninchenbaus

Manchmal fühlt sich Selbstfindung an, als würde man – wie Alice – durch einen Kaninchenbau fallen, vorbei an Teekannen, Uhren und absurden Fragen: „Wer bist du?“ fragt die Raupe.

Und plötzlich merkt man: Man hat keine Antwort, sondern nur alte Etiketten im Gepäck. Stets-Brave-Tochter, Kaffeeklatsch-Freundin, Pilates-Performerin, Vorzeige-Geliebte, Dunkel-Erleuchtete.

Aber genau da beginnt die Reise: im freien Fall.

In jenem Moment, in dem das Tagesbewusstsein kapituliert und das Unterbewusstsein übernimmt – der Regisseur in unserem inneren Theater. Es ist kein zufälliges Chaos da unten, sondern ein fein verknüpftes Archiv deiner Erfahrungen, Prägungen und Sehnsüchte. Ein stiller Dirigent, der dich durch Beziehungen, über Karrieren in Krisen manövriert, immer im Autopiloten.

Oder, um es mit Alice‘ Worten zu sagen:

„Es hat keinen Sinn, in die Vergangenheit zurückzukehren, denn ich war damals ein ganz anderer Mensch.“

Alice

Und das stimmt. Denn wer sich bewusst mit dem Unbewussten beschäftigt, wird heute nicht mehr dieselbe sein wie gestern.

Also, was bedeutet das für dich?

Wenn du das Gefühl hast, du drehst dich im Kreis – emotional, gedanklich oder sogar im Dating-Karussell – dann ist es vielleicht Zeit, hinabzusteigen. Nicht in den Wahnsinn, sondern in die Tiefe. Dort, wo Antworten nicht logisch sind, aber plötzlich Sinn ergeben. Wo dein inneres Kind noch in einer Ecke sitzt und darauf wartet, gehört und gesehen zu werden. Und wo du nicht werden musst, sondern dich erinnern darfst, wer du immer schon warst.

Denn: „Im Wunderland ist alles möglich – selbst du.“

Danke, dass du heute mit mir hinabgestiegen bist. Im nächsten Blogpost nehmen wir die ersten Souvenirs aus dem Unterbewusstsein unter die Lupe: deine Glaubenssätze.

Diese stillen Überzeugungen, die du für Wahrheiten hältst – die aber nur alte Geschichten sind, die ein anderer geschrieben hat.

Du wirst lernen, wie du sie entlarvst, neu schreibst und durch innere Arbeit transformierst.

Also schnall dich an. Der Kaninchenbau wird tiefer. Und du wirst leichter.

Keep it weird. Keep it wise. Keep it wunderbar.

Zwischen OM und OMG –
Deine Saendy

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